hausee, schade ist das nicht. Eine kurze Erwähnung hätte vielleicht noch
> Sinn gehabt.
> Hab’ mir die Seite eben angesehen. Sie ist IMO die ellenlange,
> weinerliche Homepage eines verbitterten Architekten, der depressiv,
> ist weil ihm die Bauherren immer das Honorar kürzen wollen. Die Seite
> ist voller Kraftausdrücke und Zeitungszitate, konzentrierte fachliche
> Information habe ich nicht gefunden.
Es stimmt zwar, dass die Seite nicht wirklich lesenswert ist. Das
bedeutet allerdings nicht, dass man die Kritikpunkte an solchen
grünen Prestigeprojekten einfach so beseite wischen könnte. Schauen
wir uns mal den Artikel von Telepolis an:
> Diese Fertighäuser liefern nicht nur übers Jahr mehr Strom,
> als sie verbrauchern, sondern sie sind in einem ökologischen
> Gesamtkonzept integriert: autofreies Wohnen, die Wiederverwertung
> von Wasser (Grauwasser und Brauchwasser), und Regenwassernutzung.
Soll das etwa ein Modell sein, wie eine Mehrheit der Deutschen
demnächst wohnen könnte? Es kann doch niemand ersthaft glauben, dass
ausgerechnet im Land des Automobilbau-Weltmarktführers “autofreies
Wohnen” in absehbarer Zeit für eine Mehrheit attraktiv werden könnte?
Aber wenn es nicht darum geht, realistische (!) Möglichkeiten für
zukünftiges Wohnen auszutesten, worum geht es dann? Der Eindruck,
dass hier lediglich die Blütenträume von ein paar Idealisten ihre
(sauteure) reale Entsprechung finden sollten, drängt sich doch
geradezu auf. Ganz ehrlich: Wer allen Ernstes glaubt, es sei
realistisch, anzunehmen, dass in Deutschland in 20 Jahren keine Autos
mehr fahren (völlig unabhängig davon, ob das wünschenswert ist oder
nicht), der muss sich doch mindestens völlige Realitätsblindheit
vorwerfen lassen.
Eine ganz andere Frage ist, ob “autofreies Wohnen” überhaupt sinnvoll
ist. Leider gerät bei manchen Öko-Projekten allzuoft der Mensch, um
den es ja eigentlich gehen sollte, aus dem Blickfeld. Warum betreiben
wir eigentlich Umweltschutz? Doch vor allem, um unsere eigene und die
Lebensqualität unserer Nachfahren auf einem hohen Niveau zu sichern.
Natürlich sind saubere Luft und sauberes Wasser Lebensqualität, aber
ein Auto ist das eben auch. Wer unter Umweltschutz Maßnahmen
versteht, die die Lebensqualität sehr vieler Menschen stark
herabsetzen (und ein Autoverzicht fiele darunter!), ohne tatsächlich
Beweise dafür zu haben, dass diese Maßnahme definitiv die
Lebensqualität nachkommender Generationen massiv anhebt, der setzt
sich schnell dem Vorwurf aus, dem Umweltschutz zum Selbstzweck
erhoben zu haben. Zumal “keine gefährlichen Abgase erzeugendes Auto”
eben keineswegs gleichbedeutend mit “kein Auto” sein muss: Schon
heute gibt es Modellstudien für wasserstoffbetriebene Autos, nur ist
die dort enthaltene Brennstoffzelle wegen ihres Platin-Anteils zur
Zeit noch sehr teuer. Ja, sogar wasserstoffbetriebene Flugzeuge sind
möglich. Wer immer nur Verzicht fordert, wird langfristig keine
Mehrheiten bekommen, egal wie sinnvoll sein Anliegen ist.
> Ähnliche Projekte entstehen z.B. in Malmö/Schweden: Bo01,
> eine Mini-Stadt, die Ihren eigenen Strombedarf deckt,
> und zwar zu 100% aus Erneuerbaren Energien.
Mal abgesehen von der doch etwas holprigen Formulierung (”..die ihren
eigenen Strombedarf deckt”.. Sorry, jede Stadt deckt ihren eigenen
Strombedarf, es sei denn, es gibt einen Stromausfall..): Was sind
eigentlich diese “Erneuerbaren Energien”? Energie an sich ist nicht
erneuerbar - das lernt man schon in der Hauptschule, 9. Klasse
(Energieerhaltungssatz). Gemeint sind aber wohl eher Energievorräte,
und die kann man in der Tat erneuern. Die Frage ist nur, wie man das
tut: Prinzipiell geht das mit einem Kernkraftwerk genauso wie mit
einer Solarzelle. Kernenergie ist also in dieser Interpretation auch
“erneuerbar”.
Leider gibt es zwei große Probleme mit den Formen der
Energiegewinnung, die landläufig als “alternativ” angepriesen werden:
Das erste Problem ist die Energiebilanz. Natürlich scheint es, als
sei die Energiebilanz einer Solarzelle positiv, liefert sie doch (auf
das System Erde bezogen) ständig neue Energie, ohne dass von außen
welche zugeführt werden muss. Was dabei vielfach aus dem Blick gerät:
Die Produktion einer Solarzelle kostet auch Energie. Und zwar derzeit
noch recht viel, denn der Herstellungsprozess der benötigten
hochreinen Kristallstrukturen ist sehr energieintensiv. Unter
Umständen kann es deshalb vorkommen, dass man in die Produktion der
Solarzelle mehr Energie hineingesteckt hat, als diese in ihrer ganzen
Lebensdauer liefert!
Es ist deshalb reichlich naiv, anzunehmen, bei dem hier dargestellten
Haus bekäme man tatsächlich am Ende noch Energie heraus. Denn das
wäre, selbst angenommen, die eher optimistische Schätzungsgrundlage
stimmte, nur dann richtig, wenn man souverän ignoriert, dass so ein
Haus erstmal gebaut werden muss. Energieintensiv ist nämlich nicht
nur die Herstellung der Solarzellen auf dem Dach, sondern auch die
der Dämmstoffe. Gerade diese sind aber unverzichtbar, sorgen sie doch
dafür, dass die Heizenergie gespeichert bleibt. Tatsächlich haben
Untersuchungen ergeben, dass fast immer der Einzug in bestehende
Bauten unter ökologischen Gesichtspunkten vorzuziehen ist: Der Neubau
eines Hauses verschlingt dermaßen viel Energie und auch Rohstoffe,
dass man so ein “Niedrigenenergiehaus” mindestens jahrzehntelang
bewohnen müsste, um zu einer besseren Energiebilanz zu kommen. Das
ist übrigens interessanterweise auch einer der Gründe, warum die
rot-grüne Regierung die Eigenheimzulage streichen will - der
Hauptgrund dürfte natürlich die Haushaltslage sein.
Was uns zu dem zweiten der beiden Probleme führt: Das liebe Geld.
Bisher haben alle erörterten Konzepte zur Energiegewinnung ohne
Kohle, Öl, Gas oder Uran nämlich eines gemeinsam: Sie sind -
besonders im Verhältnis zu den genannten Energieträgern - extrem
teuer. Deshalb liegt der Anteil der “alternativen Energien” an der
gesamten Energiegewinnung in Deutschland trotz jahrzehntelanger
Förderung immer noch unter 7%. Drei Viertel des Energieverbrauchs
gehen auf das Konto der Industrie. Bestünde man auf einer
100%-Deckung durch diese “alternativen Energien”, dann wäre das nicht
nur nicht finanzierbar, man raubte sich damit auch jegliche
internationale Wettbewerbsfähigkeit. Das mussten auch die Grünen
einsehen, die bei ihren anfänglichen Forderungen nach
Sofortabschaltung aller Kernkraftwerke in Deutschland offenbar
geflissentlich übersahen, dass diese Kernkraftwerke die Kleinigkeit
von 33% des gesamten deutschen Energiebedarfs decken - ohne
CO2-Emissionen, versteht sich.
Davon abgesehen, ist das Potential in Deutschland inzwischen schon
weitgehend ausgeschöpft: Es lassen sich nicht überall Windgeneratoren
aufstellen, und die geeigneten Standorte für Solarzellen sind noch
weitaus begrenzter. Eigentlich ist Deutschland eines der Länder der
Welt, die am allerwenigsten für die Nutzung der Solarenergie geeignet
sind. Hinzu kommt, dass die meisten alternativen Energien
meteologischen Schwankungen unterworfen sind: So sind die Spitzen im
deutschen Stromnetz morgens und abends. Wenn frühmorgens im Winter
Millionen Deutsche aufstehen und Licht anschalten, muss der Strom
verfügbar sein. Genau dann liefern jedoch Solarzellen so gut wie gar
keine Energie, weil die Sonne noch nicht scheint - und der Wind
richtet sich auch nicht nach unserem Bedarfsprofil. Da sich bis heute
große Energiemengen extrem kosten- und verlustintensiv bis gar nicht
speichern lassen, wird das auf absehbare Zeit ein großes Problem der
alternativen Energien bleiben.
Wenn man all dies bedenkt, ist mehr als fraglich, welchen Nutzen z.B.
das vorgestellte “Solar-Rundhaus” haben sollte - außer der
Solar-Industrie zu öffentlichem Interesse und Fördergeldern zu
verhelfen, die ja inzwischen auf ein ansehnliches Lobby-Netzwerk in
der Politik blicken kann. Sieht so das Wohnen der Zukunft aus? Man
stelle sich 20000 solcher Häuser in der Münchner Innenstadt vor - da
gäbe es wohl einige Schwierigkeiten, nicht nur finanzieller Natur.
Nein, dieses Haus ist vor allem dafür da, von Politikern und
Ökobewegten begafft und beklatscht zu werden. Wieviel Energie und
Geld in dessen Bau gesteckt wurde, interessiert demgegenüber nur am
Rande, ebenso wie die Frage, worin denn nun das Fortschrittliche
dieser Konstruktion liegen soll - jedenfalls, wenn man Fortschritt so
definiert, dass nicht nur 0,2% der Bevölkerung daran partizipieren,
denn dann wären die ökologischen Auswirkungen nicht der Rede wert.
Insbesondere sollte man sich überlegen, wieviele Altbauten wohl mit
dem gleichen Geld hätten saniert werden können. Aber solche Fragen
sind unbequem, und deshalb werden sie selten gestellt.